Mittelerde: Mordors Schatten

Man spaziert nicht einfach nach Mordor, da hatte Boromir schon recht. Ob sich der Trip trotzdem lohnt klären wir im Test.

Doppelpunkt: Name

 

Ja, mich wundert es auch, dass ich diese Zeilen bereits in den ersten Oktobertagen schreibe. Zum einem, weil die Blockbuster-Saison für Videospiele eigentlich immer erst in der Mitte des Monats beginnt, aber vor allem weil es noch rund zwei Monate dauert, bis der dritte Teil der Hobbit-Trilogie hierzulande in die Kinos kommt. Wahrscheinlich hatte man einfach Angst in der Hochsaison der starken Konkurrenz direkt gegenübergestellt zu werden, stehen dieses Jahr doch schon allein zwei Assassin´s Creed Spiele zu Weihnachten in den Regalen. Dabei muss sich Mittelerde: Mordors Schatten eigentlich gar nicht verstecken. Außer vielleicht für den Namen, ein Haupttitel und ein Untertitel, die zwar getrennt sind, getrennt ausgesprochen aber keinen Sinn ergeben. Hier wird schon fast ein Beyond: Two Souls-Level an schlechter Namensgebung erreicht. Aber abgesehen davon braucht es sich ganz und gar nicht verstecken und wenigstens hat es keinen Namen, bei dem ich mir nie sicher bin, ob ich ihn mit oder ohne Apostroph schreiben soll. Ja Assassin´s Creed ich schaue dich an. Okay, ich reite hier ganz offensichtlich viel zu sehr auf dem Titel des Spiels herum und sollte endlich mal mit der echten Kritik loslegen, aber genau da liegt das Problem, denn gerade will mir eigentlich gar nichts einfallen, was mir nicht gefallen hat. Sicher die Grafik zeugt davon, dass das Spiel mit den alten Konsolen im Hinterkopf entwickelt wurde. Aber da bis jetzt wohl noch niemand wirklich sagen kann, dass sich der Kauf der Next-Gen Hardware gelohnt hat und alle noch auf die kommende Spielewelle warten, während sie traurige, enttäusche Blicke in Richtung Watch_Dogs (Unterstrich, oder kein Unterstrich? Ubisoft! Was ist eurer Problem mit konventionellen Schreibweisen?) werfen, wie Kinder denen gerade auffällt, dass wenn ihr Vater sich zu Fasching einen Rauschebart anzieht, er verdammt große Ähnlichkeit zum Weihnachtsmann aufweist, kann man Entwicklern auch nicht verdenken, wenn sie sich noch nicht vollends auf die neuen Konsolen als Verkaufsmarkt verlassen. Dabei ist Mittelerde: Mordors Schatten kein hässliches Spiel, nur eben ohne jegliche grafische Highlights. Aber Mordor ist sowieso kein Ort, an dem man sich ein Stück Land kauft um einen hübschen Schrebergarten hochzuziehen, also passt die etwas triste Grafik eh zum sehr kargen Land. Lediglich in der zweiten Hälfte des Spiel bereist ihr auch Gebiete die ein bisschen neuseeländischer aussehen.

Gurth an Glamhoth

 

Ihr, das ist Talion, der Protagonist des Spiels. Dessen Familie wird am Anfang des Spiels massakriert und er ist nun auf Rache aus. Praktisch, dass er auch Opfer des Blutritual, bei dem seine Familie starb, geworden ist, denn nun ist er mit dem uraltem Geist eines Elben (und keines Elven, da mir sonst Herr der Ringe-Fans die Fenster einschmeißen) verbunden, der ihn quasi zu Batman macht. Zumindest wenn Batman seinen Gegnern mit dem hauseigenem Bat-Breitschwert die Köpfe abtrennen würde. Das ist nämlich Talions bewährte Vorgehensweise, wenn er es mit Uruks zu tun bekommt. Generell gestalteten sich die Kämpfe sehr vielfältig, auch wenn man das am Anfang gar nicht glauben will, da man sehr schnell in die antrainierte Schlag-Schlag-Konter-Routine verfällt. Das liegt aber auch daran, dass euch ein Großteil der Fähigkeiten erst im Laufe des Spiels zur Verfügung gestellt werden. So wird die Action etwa von verschiedenen Spezialattacken gewürzt, die ihr gezielt einsetzen könnt, sobald ihr genug Kombos aneinandergeriet habt. Zu Beginn ist es sowieso angebrachter sich in Heimlichkeit fortzubewegen, da man den meisten Ork-Gruppen im offenen Kampf nichts entgegenzubringen hat. Der Stealth-Modus funktioniert dabei sehr gut, und auch wenn sich die Gegner beim Suchen manchmal etwas dümmlich anstellen, hatte ich nie Probleme einzuschätzen, in welchen Situationen mich die Gegner sehen würden. Seit ihr nahe genug an einen Ork heran gekrochen, könnt ihr ihn meucheln, ihm Energie für euren Bogen absaugen, oder, in der zweiten Hälfte des Spiels, ihn als Alliierten übernehmen, sodass er fortan auf eurer Seite kämpft.

Willst du sie haben, dann brauchst du Narben

 

Das Politiksystem ist das große Feature von Mittelerde: Mordors Schatten. Ihr habt nämlich zu jeder Zeit eine Übersicht, wer wie mächtig ist, in der Hackordnung der Uruks. Vorausgesetzt natürlich ihr wisst die Identität der einzelnen Kapitäne. Falls ihr einen davon angreifen wollt, ist es außerdem noch angebracht, in den Geist eines anderen Orks einzudringen und genauere Informationen über euer Ziel zu bekommen. So sind manche Kapitäne etwa gegenüber Fernangriffen immun, verfallen aber in Panik, wenn sie von einem Caragor, den riesigen Panzerhunden Mordors, angefallen werden. Das ist immer praktisch zu wissen, da ihr unvorbereitet mit etwas Pech vor einer ausgewachsenen Kampfmaschine steht, die ihr mit dem richtigem Trick kinderleicht erledigen hättet können. In der ersten Hälfte des Spiels versucht ihr die fünf Warchiefs, die obersten Obermacker der Horde, auszuschalten, während ihr in der zweiten Hälfte versucht eure eigene Uruk-Armee aufzubauen und die fünf Oberhäupter unter eure Kontrolle zu bringen. Beides ist dabei extrem unterhaltsam. Zu Anfang ist man noch relativ schwächlich und muss ein Attentat lange vorbereiten und planen, was es umso befriedigender macht, wenn der Rivale am Boden liegt. Ab der Hälfte, könnt ihr die persönlichen Leibwachen eines Warchiefs unter eure Kontrolle bringen und dann aus einem Versteck genüsslich zusehen, wie der Vertraute seinem Chef ein Messer in den Rücken rammt. Doch nicht immer klappt alles wie ihr es wollt und manchmal beißt auch ihr ins Gras. Bloß, dass ihr nie wirklich sterbt, sondern einfach am nächstem Safepoint wiederbelebt werdet, wodurch der Ork, der euch erledigt hat in der Spielwelt seine Einflusskraft erhöht und vielleicht sogar zum Kapitän aufsteigt. Und auch Uruk-Anführer die ihr bereits bekämpft habt, kommen manchmal von den Totgeglaubten zurück, wodurch sich über das Spiel hinweg echte Fehden und Rivalitäten entwickeln. Besonders schön auch ist auch, dass sich jeder Ork vom anderem unterscheidet. Sicher, manche mögen gleiche Rüstungsteile tragen, doch jeder hat andere Sprechzeilen und Details. Im Kampf wusste ich immer wen ich gerade vor mir hatte und was meine persönliche Geschichte mit ihm war. So wurde ich zum Beispiel einmal gegen einen unbedeutenden Ork in einem chaotischem Kampf getötet, wodurch dieser die nächste, durch mich frei gewordene Stelle als Kapitän besetzte und sich ohne mein Zutun bis in die Ränke eines Elite Kapitäns hocharbeitete. Und als solchen habe ich ihm dann auch den Garaus gemacht. Allgemein ist es wunderbar, wie sich im Spiel solche Feinschaften ganz organisch aufbauen. Wenn ich schon dreimal von einem Uruk getötet wurde, und er das auch noch mit einem passendem Spruch kommentiert, kommt nochmal eine ganz besondere Spannung in die, vollkommen ungescripteten, Konflikte. Die Uruks sind nämlich die heimlichen Helden des Spiels. Man beobachtet ihren Werdegang, beeinflusst diesen sogar, lernt ihre Eigenarten kennen, ihren Charakter, weiß wie sich ihr Äußeres verändert hat seit dem letztem Zusammentreffen, weiß das sie sich diese Narben im letzten Kampf mit dem Protagonisten eingefangen haben, aber diesem auch ihre Beförderungen verdanken. Man weiß über ihre Rivalen und Verbündete, und welche von diesen bereits auf unseren Befehl warten anzugreifen. Tatsächlich ist sogar der sympathischste und interessanteste Charakter in der Story ein Ork. Durch diese, sich ständig ändernden und weiterentwickelnden Unter-Geschichten, die man selbst schreibt, kommt auch nie Monotonie auf, obwohl ihr essentiell, abseits von ein paar Story-Missionen, immer das Selbe macht. Das spielt sich aber immer sehr persönlich und sehr interessant, da ihr immer eure eigenen Pläne verfolgt. Und im Zweifelsfall gibt´s natürlich auch noch eine Vielzahl an Nebenaufgaben, von Sklaven retten, bis zu getimten Herausforderungen ist alles dabei. Hatte ich schon erwähnt, dass das Spiel einen absolut wunderschönen Soundtrack hat? Nein? Gut, hat es aber, und wenn ihr dazu im Alleingang in ein Uruk-Camp stürzt kommt ihr euch vor, als würdet ihr gerade Hellms Klamm verteidigen. Unterm Strich bietet euch Mittelerde: Mordors Schatten rund 30 Stunden extrem unterhaltsames Geschnetzeltes vom Ork, in Freilandhaltung gezüchtet. Dass ihr die Uruk-hai auch noch persönlich kennen und hassen lernt, gibt allen wichtigeren Kampfhandlungen einen eigenen Charakter, was dem Spielspaß enorm zuträglich ist.

Fazit:

Mittelerde: Mordors Schatten ist eigentlich ein echter Überraschungshit, gemessen an den Erwartungen. Ein Triple-A Titel der, Release-technisch, einen Sicherheitsabstand zur Konkurrenz wahrt und von weitem wie ein billiger Batman/ Assassin´s Creed-Klon aussieht. Doch weit gefehlt, denn während das Spiel sich durchaus großzügig bei manchen Gameplay-Mechaniken der anderen Spiele bedient, wahrt es dennoch seinen eigenen Charme und schafft es, die in anderen Titeln immer gleichen Kämpfe zu individuellen Auseinandersetzungen zu verwandeln. Damit kopiert Mittelerde: Mordors Schatten nicht einfach nur einfallslos, es schafft es die eingerosteten Prinzipien mit viel Liebe zum Detail auf eine neue Stufe zu heben. Für jeden Action-Fan, der sich nach ein bisschen frischem Wind und Innovation im Genre sehnt ein Muss und auch für alle anderen ist ein Trip nach Mordor empfehlenswert, schon allein um zu sehen, wie denn die Ursprungs-Fantasywelt aussieht, von der alle kommenden Autoren solange kopiert haben, bis spitze Ohren zum Klischee wurden. RR

Pro:

+ intuitive Steuerung

+ spannende Kämpfe

+ eingängiger Schleich-Modus

+ viele freischaltbare Fähigkeiten

+ viele Nebenaufgaben

+ Uruks haben Persönlichkeit

+ Kämpfe erzählen ihre eigene Geschichte

+ die Manipulation des Politiksystems motiviert

+ eingestreuter Fanservice

Kontra:

- grundlegende Aufgaben immer recht ähnlich

- die Geschichte bleibt immer auf Mittelmaß

- technisch nicht ganz auf der Höhe der Zeit

Autor: Maxi Huber

E-Mail: maxi.huber@gaming-junction.de

Kategorie: Bericht

Datum: 04.10.2014

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Kommentare

  • Bananenranger (Samstag, 04. Oktober 2014 12:32)

    Sieht ja eigentlich ganz nett aus. Dachte auch erst des wird n billiger Lizenz-Abklatsch in die Pressform von AC gequetscht.

  • Mplayer (Montag, 06. Oktober 2014 18:23)

    ich höre überall das mittelerde wie AC ist. aber es ist doch viel mehr wie batman!

  • GtarMaster (Montag, 06. Oktober 2014 20:51)

    Habs jetzt auch und bockt sich mega. Warum kann AC eigentlich nicht mal n anständiges Kampsystem implementieren? Das macht hier so viel mehr bock

  • jack (Donnerstag, 13. Juli 2017 04:17)

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