Saints Row 4

Die Saints regieren die Straßen wieder. Schließlich ist der Anführer ja zum Präsidenten von Amerika aufgestiegen. Ob Saints Row 4 sich dabei nicht an Lächerlichkeit übernimmt, oder den Vorgänger sogar noch überflügelt, lest ihr im Test.

Barack Obama ist seit 2008 im Amt, Träger des Friedensnobelpreises, wurde wiedergewählt und ist außerdem der erste afroamerikanische Präsident der Vereinigten Staaten. Als dieser ist er Staatsoberhaupt, Regierungschef und Oberbefehlshaber der amerikanischen Streitkräfte. In Saints Row 4 sind wir die erste grünhäutige Frau im Amt, verbieten den Welthunger per Gesetzt und halten uns einen Tiger im Weißen Haus. Wir sind uns sicher das wir dafür auch irgendeinen Preis kriegen. Dummerweise sprengt aber eine Alieninvasion die angesetzte Pressekonferenz. Ist wohl auch gut so, schließlich herrschte auf der dann doch eher eine kritische Grundstimmung, über die Art und Weise wie wir unseren Job machen. Ein Problem gelöst also, Zeit sich um die Aliens zu kümmern. Die stellen sich schlussendlich doch als die größere Schwierigkeit heraus, denn sie entführen nach und nach alle unsere Saints-Kollegen. Nach einer kurzen Ballerpassage stehen wir auch schon Zinyak, dem Anführer der Außerirdischen, gegenüber und sind bereit den Kerl mit einem Tritt in den Hintern dahin zurück zu befördern wo er herkam. Allerdings gestaltet sich das nicht so einfach wie gedacht und Zinyak befördert uns kurzerhand in eine alptraumhafte Version einer sechziger-Jahre Seifenoper. In dieser, an die Tranquillity Lane aus Fallout 3 erinnernde Umgebung, müssen wir nun möglichst viel Chaos anrichten, um das Programm zu stören. Als Oberhaupt der Saints ist das natürlich unser leichtestes Kunststück und bald meldet sich Zyniak wieder. Da wir ja scheinbar nur Ärger machen steckt er uns in einen scheinbar narrensicheren virtuellen Käfig: nämlich das simulierte Abbild von Steelport, dem Schauplatz von Saints Row: The third. Gut, ganz gleich geblieben ist die Umgebung nicht. Zum Einem wird der Himmel von Independence Day-ähnlichen Raumschiffen beherrscht und die größten Wolkenkratzer mussten weichen, zum Anderem sieht die Welt aus als hätte man die Grafikabteilung von Far Cry: Blood Dragon auf sie losgelassen. Soll heißen: alles relativ dunkel und mit vielen grellen Neonlichtern und -farben. Mit der Hilfe unserer Freunde und unseres Vizepräsidenten Keith David brechen wir aber auch aus diesem Programm aus und finden uns daraufhin ,als letzte verbliebene Instanz der Menschheit im Kampf gegen die Invasoren, in einem Raumschiff wieder. Dessen Besatzung ist allerdings noch recht spärlich, denn die meisten Saints-Gangmitglieder werden noch in verschiedenen anderen Simulationen festgehalten.

Unsere Mission ist also klar, erst unsere Freunde, dann die Welt retten. An dieser Stelle beginnt Saints Row 4 erst richtig. Für unseren Plan hacken wir uns wieder in den virtuellen Steelport-Abklatsch, in dem wir praktischerweise über Superkräfte verfügen. So sprinten wir schneller als jeder Supersportwagen und können dank Supersprung im fünfzehnten Stock ans Fenster klopfen. Im Laufe des Spiels gesellen sich noch weitere dazu, sodass wir am Ende über ein recht hübsches Ensemble, das von Feuerbällen und ähnlichen elementaren Spielereien, über passive Fähigkeiten, wie kleinere Buffs, bis hin zur Telekinese reicht, verfügen. Neben den Superkräften können wir unsere Heldin auch in normalen Kategorien verbessern, zum Beispiel unserem Lebensbalken eine kleine Verlängerung verpassen. Auch unser Schusswaffen-Arsenal lässt sich aufmöbeln. Während die letzteren beiden sich durch schnöden Mammon freischalten lassen, muss man für Verbesserungen in den Superfähigkeiten sogenannte Datencluster einsammeln. Diese sind in Form von blau scheinenden Lichtern über die ganze Stadt verteilt. Das Einsammeln lohnt sich, denn besonders bei euren Spezialkräften merkt ihr sofort die einzelnen Optimierungen. So springt ihr höher, rennt schneller, länger und könnt nach einem Sprung noch durch die Luft gleiten. Die einzelnen Kräfte machen unglaublich Spaß und sind eine tolle Gameplay-Erweiterung.

Damit ihr euch nicht unterfordert fühlt, währen ihr Gegner zu Eisskulpturen einfriert, halten eure Widersacher nun deutlich mehr aus als noch im Vorgänger. Ab und zu bekommt ihr es sogar mit speziellen Feinden zu tun, die sich nur mit dem geschickten Einsatz eurer Fähigkeiten besiegen lassen. Die Bedienung geht dabei leicht von der Hand und funktioniert nach kurzer Zeit intuitiv. Das liegt auch daran, dass ihr relativ langsam an alle Superkräfte herangeführt werdet. Abseits der Hauptmissionen gibt es noch tonnenweise Sidequests von euren Kumpanen. Die sind übrigens wie fast alle Charaktere grandios, auf englisch mit deutschem Untertitel, vertont. Das Missionsdesigne im Spiel schwankt dabei zwischen genial lächerlich und drögem Standard. So könnt ihr in einer Mission gegen eine hochhausgroße Energydrink-Dose kämpfen, in so manch anderer beschränken sich die Aufgaben aber auf das erobern von Stützpunkten, oder das niedermähen von Gegnerwellen. Dank Waffen wie der Dubstep Gun, Superkräften und dem sehr direkten Gameplay ist das zwar immer noch sehr spaßig, fällt aber besonders im Kontrast zu den vielen wunderbar kreativen und abgedrehten Missionen etwas repetitiv auf. Dabei ist das Spiel vollgestopft mit Anspielungen auf andere Spiele und Filme. Zum Beispiel bekommt ihr im Verlauf des Spiels Roboter mit rot glühenden Augen als Gegner vorgesetzt, oder müsst in einem Missionsabschnitt unter einen Pappkarton kriechen um nicht entdeckt zu werden. Saints Row 4 bietet an jeder Ecke Satire und kleine augenzwinkernde Andeutungen. Oder kommt nur uns Mass Effect in Erinnerung, wenn wir mit fast allen Mitgliedern unserer Raumschiffscrew ein Techtelmechtel anfangen können? Diese Anspielungen findet man nicht nur in den großen Herausforderungen, auch in den kleineren Nebenaufgaben gibt es sie. Über die Stadt sind dabei unzählige von diesen Beschäftigungen verteilt. Bei Prof. Genkis super ethical reality climax show müsst ihr versuchen Menschen und Autos per Telekinese durch Ziele werfen, wenn euch die Stadt zu ordentlich vorkommt könnt ihr probieren mit einem Panzer möglichst viel Sachschaden zu verursachen, Versicherungsbetrug macht mit Superkräften doppelt Spaß und beim Supersprint werden eure Insekten-Reflexe auf die Probe gestellt. Wer einfach nur durch die Kampangenmissionen hetzt verpasst eine Menge Spaß.

Außerdem lässt man sich gut ein drittel des Spielinhaltes damit entgehen. Die Spieldauer an sich ist zwar schon recht ordentlich, wird durch die Nebenaktivitäten aber um ein gutes Stück länger. Außerdem bekommt ihr ohne sie kaum genug Geld zusammen, um eure vielen Waffen entsprechend aufzurüsten. Eine Kanone die schwarze Löcher erzeugt, sorgt getuned für noch mehr Vergnügen. Und die Auswahl an Waffen ist groß, dementsprechend auch die Menge an Barem die ihr investieren könnt. Optisch ist Saints Row 4 leider irgendwo im Jahr 2009 steckengeblieben. Einzelne Effekte sehen zwar ganz nett aus, die Umgebung und Charaktermodelle bestechen aber nicht unbedingt mit Unmengen an Details, oder knackscharfen Texturen. Ebenso die KI die im besten Falle zweckmäßig ist, sich aber auch unschöne Aussetzer leistet. Dadurch werden Widersacher zum reinen Kanonenfutter degradiert. Darüber kann man aber hinwegsehen, denn die Gefechte sind trotz allem unterhaltsam. Generell sollte man sich nicht auf die Technischen Details versteifen, sondern den herrlich blöden und geschmacklosen Humor genießen. Wegen diesem wurde dem Spiel etwa in Australien der Release verweigert und auch in Deutschland war eine ungeschnittene Version zeitweise fraglich. Schlussendlich ist hierzulande aber doch die uncut-Fassung erhältlich. Die Erstauflage von Saints Row 4 beinhaltet als „Commander in Chief Edition“ noch einen Download-Code für den Screaming Eagle Kampfjet, einen Uncle-Sam Anzug und die ´Merica Gun. Für rund einhundert Euro könnt ihr euch die Collector´s Edition und somit eine Dubstep-Gun Replika ins Haus holen. Falls ihr ihr allerdings zufällig ein Ölscheich seid und somit über das nötige Kleingeld verfügt könnt ihr euch für den Spottpreis von einer Million die „Super Dangerous Wad Wad Edition“ kaufen. Darin enthalten sind unter anderem ein Flug ins All, ein Lamborghini Gallardo, diverse Luxushotel-Übernachtungen und ein Toyota Prius. Falls ihr Interesse habt, solltet ihr aber schnell zuschlagen, die Edition ist nämlich auf ein Exemplar limitiert.

Fazit:

Saints Row 4 setzt der Saga die Krone auf. Mehr Lächerlichkeit, mehr Wahnsinn, mehr popkulturelle Seitenhiebe, mehr monströse Dildos. Einfach von allem mehr. Das der ursprüngliche Publisher THQ während der Entwicklung pleite gegangen ist, macht es umso erfreulicher das Saints Row nichts von seinen Qualitäten eingebüßt hat. Von seinen Schwächen allerdings auch nicht. Kenner des Vorgängers wissen was sie erwartet, wer allerdings regelmäßig das Feuilleton der Süddeutschen ließt, könnte etwas davon geschockt sein, dass der humoristische Niveauunterschied einem Flugzeugabsturz gleicht. Das sollte jedoch niemanden davon abhalten Spaß mit dem kleinem geisteskranken Bruder von GTA zu haben. MH

 

Autor: Maxi Huber

E-Mail: maxi.huber@gaming-junction.de

Kategorie: Bericht

Datum: 01.09.2013

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Kommentare

  • THeHITEC (Sonntag, 01. September 2013 21:15)

    Mal wieder ordentlich was zum ablachen. Werds mitn paar Kumpeln und ein paar "erfrischungs getränken" ;) zocken.

  • DeadStormPirats (Sonntag, 01. September 2013 21:17)

    Ich hätte nicht gedacht das man auch Saints Row the third wirklich noch einen drauf setzen kann. ich hatte schon einen heiden spaß mit dem vorgänger und hab an machen stellen echt tränen gelacht
    daher werde ich mir wohl auch diesmal das Spiel holen. Ich werde aber noch warten bis alle DLCs raus sind.

  • SonofRage (Sonntag, 01. September 2013 23:49)

    Hach, ma wieder schön das Hirn ausschalten*Brain off. Und dass bei einem Spiel das kein Call of Duty im Namen trägt :D

  • TomClancy (Montag, 02. September 2013 13:00)

    Ich werde es mir vor dem Release von GTA noch holen. Ich finde den Humor super und auf die Superkräfte freue ich mich schon richtig ich glaube das es wirklich eine Spielerische verbeserung zum
    vorgänger ist.

  • ManiacMortar (Montag, 02. September 2013 16:48)

    Was diesem Spiel fehlt sind Einhörner. Sonst perfekt, aber wir brauchen meehr Einhörner!

  • don7escue (Dienstag, 03. September 2013 00:23)

    Joa, mal wider lustig ein ablachen über die Gesellschaft und aktuelle Spiele. Ist schon mal drinne. Mit Freunden doppelt lustig.

    @Mortar
    Watt?:D

  • LoneRanger (Dienstag, 03. September 2013 13:46)

    ich hab mir das spiel schon gekauft und es ist super allein das intro ist schon besser als der gesamte vorgänger. nicht das saint row 3 schlecht war hier wurde eifach noch einer drauf gesetz!

  • Joseph (Donnerstag, 29. September 2016 12:13)

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